Deep Rest - tiefes Ruhen

Deep RestDie Deep Rest Meditation ist eine anstrengungslose Form der Achtsamkeitsmeditation, die im Liegen praktiziert wird. Sie hat das Ruhen im Gewahrsein zum Gegenstand und eignet sich gleichermaßen für Anfänger*innen wie auch für sehr erfahrene Meditierende.

Anders, als die Achtsamkeit, die immer auf ein Objekt gerichtet ist, beinhaltet das Gewahrsein die Achtsamkeit. Hierin unterscheidet sich die formelle Praxis des tiefen Ruhens z.B. vom Bodyscan, welcher den Körper zum Objekt hat. Das Gewahrsein wird hier als ein natürlicher Zustand betrachtet, der nicht erlangt, sondern vielmehr entdeckt -oder wiedergefunden- werden kann. Denn dieser natürliche Erlebenszustand ist nicht neu - wir haben ihn auch schon sehr früh in unserem Leben erfahren, bevor er verbaut wurde, und wir können dahin zurückfinden, wenn wir bereit dazu sind, alle Prozesse loszulassen, mit denen wir jetzt unseren Geist verbauen.

Deep Rest ist eine Praxis des Gewahrseins

In dieses Gewahrsein zu treten, ist natürlich auch Gegenstand anderer Meditationspraktiken, wie z.B. der Anapanasati-Meditation oder dem Mahamudra, welches hier seinen Ausgangspunkt nimmt (schön beschrieben z.B.in Osho: Tantra - die höchste Einsicht). Es gibt sehr unterschiedliche Wege, die wir in Bezug auf unsere meditative Praxis gehen können, und die Deep Rest Meditation reiht sich hier ein als eine weitere Methode mit dem vielleicht spezifischen Merkmal der Anstrengungslosigkeit, auch wenn die Anstrengungslosigkeit ohnehin als ein zentraler Aspekt des "rechten Bemühens" im 8-fachen Pfad verstanden werden kann.

Das Vorgehen ist schlicht: wir lassen uns ankommen im Gewahrsein des sich entspannenden liegenden Körpers, der weicher und leichter werden darf, gar nicht so unähnlich der Körpererfahrung bei fortgeschrittener PMR-Praxis. Wir laden alle Gefühle und alle Gedanken ein ohne weitere Absicht. Wir kontrollieren nichts und interessieren uns für das Gewahrsein selbst, ohne es fokussieren zu wollen oder zu können. Wir gelangen in einen Zustand wachen Gewahrseins, der in Schlaf übergehen mag. Wir interessieren uns für diesen Übergang. Wir interessieren uns für das Erwachen.

Je nachdem, wo wir gerade mit unseren Bedürfnissen oder mit unserem inneren Prozess stehen, bietet uns diese Form der Meditation eher ein tiefes Loslassen und Regeneration von alltäglichem Stress, eine Möglichkeit der Praxis bei bestimmten körperlichen Gebrechen, die dem längeren Sitzen entgegenstehen oder eher ein Erfahrungsfeld für tiefe Erkenntnisprozesse für die fortgeschrittene meditative und spirituelle Praxis.

Die Methode ist keineswegs neu, wenn auch in der westlichen Achtsamkeits- und Meditationspraxis noch nicht weit verbreitet, wo das Klischee des Sitzens als eine Art Königsweg der Praxis Einzug gehalten hat, nicht unwesentlich befeuert von qualitätsgemanagten Achtsamkeits-Programmen, wie dem MBSR. Auch im Zen-Buddhismus gilt die liegende Körperhaltung als "nicht denkbar". Auf Meditations-Retreats in der Tradition des Theravada oder des tibetischen Buddhismus hingegen findet man immer auch Teilnehmer*innen, die im Liegen praktizieren, was auch formell angeleitet wird. Die Vipassana-Praxis des Theravada betont die 4 Körperhaltungen der Meditation: Sitzen, Liegen, Stehen, Gehen. Die "Auskoppelung" des Bodyscans als legitimierte Form der Liegendmeditation im MBSR ist da eher eine pragmatische Verkürzung des Potenzials der liegenden Praxis, was dem begrenzten Auftrag dieser Programme im Rahmen der öffentlichen Primär- und Sekundärprävention, des betrieblichen Gesundheitsmanagements oder der Lifestyle-Wellness geschuldet sein mag, welcher vor einer transformativen Achtsamkeitspraxis oft Halt zu machen scheint (wiewohl Achtsamkeit immer auch transformativ sein mag, ganz gleich, in welchem Kontext).    

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